27.05.2009

Teil 1: Das Künstler / Grafiker / Techniker Dilemma

Ich habe letzte Woche ein sehr interessantes Gespräch geführt mit einem Grafiker und danach mit einem freien Künstler. Das Thema um welches es sich gehandelt hat, war ob die Visualisierung bzw. die Vermittlung der grafischen Grundfähigkeiten an die Manager eine Gefahr darstellt oder nicht.
Zurzeit kann ich meine Gedanken noch nicht ganz einordnen da mein Wissen über die zwei Berufsfelder noch sehr klein ist. Als Ausgangslage berufe ich mich auf die Aussage bzw. Erklärung von John Maeda (Laws of Simplicity), welche folgendes besagt:
  • „Technik schafft Lösungen / Funktionen für Probleme.“ (mit der neuen Software können wir noch schneller auf die Kundenanfragen reagieren….)

  • „Kunst lässt einen Fragen stellen.“ (was hat sich der Künstler nur bei diesem Bild gedacht? was will er damit sagen?....)

  • „Design schafft Klarheit und Antworten.“ (damit ich den iPhone bedienen kann ist gar keine Anleitung nötig, da die Oberfläche absolut klar strukturiert ist….)

Diese drei Felder sind relativ klar abtrennbar. Die Berufsgruppen sind seit Ewigkeiten getrennt und relativ gut abgekapselt. Das Problemfeld entsteht, wenn jemand eine Schnittstelle zwischen diesen Welten schaffen will. Doch wieso ist das so? Ich habe dazu 2 Theorien.
Als erstes kann ich mit Gewissheit behaupten, dass jedes von diesen Berufsgruppen sehr viel Zeit investieren musste um sich das Wissen bzw. die Qualität im Beruf zu erlangen, welche von ihm verlangt wird. Angesichts dieser Erfahrung und des Wissens, welche auf dem Weg auch teilweise Schmerzhaft gesammelt wurde, ist es eine logische Reaktion dies als Alleinstellungsmerkmal oder Wettbewerbsvorteil anzusehen. An dieser Stelle kann es auch passieren, dass man auf „naive“ bzw. unvorsichtig ausgedrückte Aussagen etwas überreagieren kann. Damit jemand keine naive Frage stellt oder etwas falsches Behauptet wird es nötig, dass er sich mit dem Thema beschäftigt.
  • Man kann nicht sagen, ob der Prozessor ineffizient arbeitet, wenn man nicht weiss wie der Computer funktioniert.

  • Man kann nicht sagen, ob dieses Bild etwas Besonderes ist, wenn man nicht weiss was sich der Künstler dabei gedacht hat.

  • Man kann nicht sagen, ob das iPhone gut ist, wenn man es nie in der Hand gehabt hat.

Angesichts der Menge der Informationen in der heutigen Welt und der wenigen Zeit die einem zur Verfügung steht, stellt, dass sich beschäftigen mit anderen Berufsgruppen eine grosse Herausforderung dar.
Das nächste Problem, welches mir genannt wurde im Gespräch ist, dass ein Grafiker befürchtet, dass er seinen Job verlieren wird, wenn die Manager selbst anfangen würden zu visualisieren. Visualisierung ist doch nicht dazu da die Grafiker zu ersetzen? Eine Visualisierung wird nie auf so einen hohen Level sein, wie die Grafiken von Designern. Diese werden nicht mal ersetzt werden, sondern nur noch mehr gebraucht, denn Visualisierung ist auch eine Art Vermittlung bzw. Steigerung des Wissens um das Original verstehen zu können.
Ich lasse diesen Artikel an dieser Stelle stehen und hoffe auf eine Fortführung in einer Diskussion mit anderen Kollegen vom Fach………

    22.05.2009

    Visuelle Entscheidungsfindung und die Entscheidungstheorie

    Das lesen des Buches von Urs Meier, „Du bist die Entscheidung“, hat mich dazu veranlasst, dass ich über die Verbindungen zwischen der Entscheidungsfindung und der Visualisierung nachdenke. Für mich gibt es drei interessante Behauptungen im Buch:


    1. Die Angst vor Fehlern lässt die Menschen nicht entscheiden. In so einem Fall entscheiden immer die anderen für einen.

    2. Es gibt den Entscheidungstyp, der immer neue Optionen aufzeigt und nie zur entscheidung kommt.

    3. Es gibt den Entscheidungstyp, der immer bis zum letzten Moment wartet in der Hoffnung, dass sich die Optionen reduziert haben.

    4. Es gibt den Entscheidungstyp, der immer die anderen entscheiden lässt und sich im Nachhinein über das Ergebnis beschwert.

    5. Entscheidungen kann nur einer treffen.
    Die oberen Punkte habe ich mit dem Wissen im Internet verifiziert, vor allem weil ich mit dem Punkt 5 nicht einverstanden war.
    Nach Henry Mintzbert gibt es drei Typen von Entscheidungsstilen,


    • Thinking First (Planen und Prozesse)

    • Seeing First (Kreativer Umgang, Visionen)

    • Doing First (Einfach nur machen und Erfahrungen sammeln)

    Bild von sciencefriction.netLeider trifft diese Theorie nicht meine Erwartung der Erklärung, welche Strategie Menschen bei der Entscheidung treffen und ob sie alleine die Entscheidung treffen. Ich werde aus diesem Grund wieder zu Punkt 5 kommen, also der Behauptung, dass Entscheidungen nur einer treffen kann. Nach reiflicher Überlegung muss ich sagen, dass so stark es mir widerstrebt diese Behauptung tatsächlich stimmt. Nehmen wir als Beispiel das demokratische Wahlsystem. Es muss am Ende der Wahlen immer jemanden geben der / die das Wahlergebnis anerkennt oder eben nicht. Der Fehlende und nicht unwesentliche Baustein im Puzzel ist die Akzeptanz der Mehrheit der Betroffenen, denn ohne diese kommt es unweigerlich zu Kritik, Protest oder Streit.

    Es stellt sich also die Frage, wie ich die Akzeptanz der Mehrheit erreichen kann oder wie viel Protest oder Kritik ich aushalten kann. Da wir jedoch zu den Friedfertigen Gesellen der Menschheit gehören, werden wir an diese den Konfrontationskurs den Politikwissenschaftlern überlassen und uns der Frage der Akzeptanz widmen indem wir uns nochmals mit der Entscheidung und deren Folgen befassen.

    Bei der Entscheidungsfindung kann man unterscheiden zwischen:

    • Entscheidung bei bekannten Folgen (genannt Entscheidung unter Sicherheit)

    • Entscheidung bei unbekannten Folgen (genannt Entscheidung unter Unsicherheit)
      o Entscheidung bei bekannter Wahrscheinlichkeit der möglicherweise eintretenden Folgen (genannt Entscheidung unter Risiko)
      o Entscheidung bei unbekannter Wahrscheinlichkeit der möglicherweise eintretenden Folgen (genannt Entscheidung unter Ungewissheit)
    Nun mal im Ernst:


    • Wie oft haben sie es mit Entscheidungen unter Sicherheit zu tun?

    • Wie oft berechnen sie die Wahrscheinlichkeit unter Unsicherheit aus?

    • Wie oft können sie von sich behaupten, dass sie der in der Mikroökonomie erfundene Homo Oeconomicus, also der rationale Entscheider sind, der sich immer seiner Präferenzen (Vorlieben) klar bewusst ist und mit jedem Entscheid versucht, seinen Nutzen zu maximieren?
    Ich für mich kann die oberen Fragen nüchtern betrachtet, wenn überhaupt dann mit einem sehr negativen Ergebnis beurteilen. Eines kann ich jedoch mit Gewissheit sagen, dass Entscheidungen leichter fallen, wenn mehr Informationen zum Entscheidungsbedarf vorliegen bzw. das Gefühl präsent ist das man alle Alternativen durchgedacht hat, also einem Big Picture. An dieser Stelle kommt also die Visualisierung ins Spiel, denn wie kann man besser Alternativen und die Zusammenhänger durchleuchten als mit Bildern. Bilder geben, bei entsprechender Gestaltung, das Gefühl etwas tiefgreifend zu verstehen und dadurch auch Sicherheit.

    Leider gibt zum Thema der Entscheidungsfindung mit visueller Unterstützung noch keine empirischen Studien. Das einzige was ich finden konnte ist eine Studie von der University of Minnesota, wo behauptet wird, dass visuell unterstütze Meetings nur 70% von ihrer länge benötigen
    …und dabei sind die Visualisierungstechniken noch nicht mal im vollen Umfang im Alltag des heutigen Managements angekommen.. ;-)

    19.05.2009

    Branchenreport: Wenn Museumsdesign nichts hilft

    Le musée du quai Branly - OberansichtLe musée du quai Branly, das Völkerkundemuseum in Paris gehört zweifelsohne zu den Museen, welche einen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen haben. Leider ist der Eindruck nicht positiv, sondern eher negativ belegt. Der erste Eindruck der grossartigen architektonischen Leistung von Jean Nouvel wird in den ersten 3 Minuten durch einen übermass an Objekten einer fremden bzw. unbekannten Kultur erschlagen. An dieser Stelle könnte man meinen, dass dies nichts negatives bedeuten würde. Da die Kultur welche man vorfindet fremd ist, kennt man die Geschichte der Gegenstände nicht, sondern wird alleine gelassen in der Unwissenheit. Sehr bald folgt dann das innere Aufgeben oder das Pauschalisieren, welche jedoch weit weg von den tatsächlichen geschichtlichen bzw. kulturellen Fakten liegt. Es folgen Überlegungen, welche rein auf das ästhetisch dekorative beschränkt sind. („Die Maske schaut gut aus“) Am Ende verlässt man das Museum, mit einem Bruchteil dessen mitgenommen zu haben, was möglich gewesen wäre. An dieser Stelle wäre die Argumentation möglich, dass man sich mit den fremden Kulturen bereits im Vorfeld beschäftigt haben sollte, jedoch bin ich der Ansicht, dass dies in den wenigsten Fällen aus Zeitgründen zu machen ist.

    Meiner Meinung nach müssten Museen ihre Sammlung kleiner über überschaubarer gestalten. Dieses wenige müsste mit perfekten und leicht erfassbaren Visualisierungen verständlich gemacht werden. Visualisierungen, welche Lust auf mehr Wissen machen. Sie müssen so gestaltet werden, dass sogar Japaner die Bildtafeln im französischen Museum verstehen.

    ISOType von Otto Neurath aus dem Wirschaftsmuseum WienOtto Neurath war einer der Vorantreiber der Bildpädagogik und massgeblich an der Entwicklung der Isotype beteiligt. Das von im gegründete Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum in Wien gilt für mich als ein sehr gutes Beispiel davon, wie trockene und uninteressante Themen zugänglich gemacht werden können. Das Museum veranstaltet kleine Wechselausstellungen, welche den Besucher informieren und nicht in der Masse erschlagen. Personen, welche in einer Ausstellung das gesamte Archiv sehen wollen, damit sie behaupten können das alles gesehen zu haben, werden an dieser Stelle nicht erfolgreich.

    18.05.2009

    Barrieren um an Wissen zu gelangen bzw. Blocker das Wissen weiter zu geben

    Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nützen um über ein Thema zu schreiben, dass nicht direkt mit der Visualisierung zu tun hat.

    Mich hat in letzter Zeit die Frage stark beschäftigt, wieso viele Themen oder Disziplinen manchen Menschen immer ein Rätsel bleiben werden. Wieso ist es nicht möglich, dass meine Oma über Strukturierte Produkte in der Finanzwirtschaft Bescheid weiß? Wieso ist es nicht möglich, dass ich mit den Künstlern auf demselben Niveau mitdiskutieren kann, obwohl ich kein Künstler bin? Solche und ähnliche Fragen sind mir durch den Kopf gegangen bis ich nicht auf folgende drei Muster der Wissensweitergabe-Blocker gestoßen bin: (Jeweils in Aussagen festgehalten)

    Motivation GIER (Typisches Feld BANKER): „Ist die überhaupt bewusst, wie hart ist dafür arbeiten musste, mir dieses Wissen anzueignen? Als ich das wissen wollte war keiner da um mir alles auf dem Präsentierteller zu reichen. Du solltest auch noch schwitzen, damit du verstehst was ich meine. Man lernt am besten, wenn man selbst du Scheisse geht.“

    Motivation FAULHEIT (Typisches Feld PROFESSOREN): „Das wäre Zeitverschwendung. Soll ich auch noch dein Essen vorkauen? Habe kein Bock auch noch diese Aufgabe zu machen. Das ist nicht in mein Job. Überleg und schreib gefälligst selbst mit.“

    Motivation INETERESSE (Typische Feld KÜNSTLER): „Wenn du schon etwas behauptest, solltest du dich damit in der Vergangenheit beschäftigt haben. Wenn du meine Bilder anschaust, solltest du genügend Interesse mitnehmen, dass du weißt was sie zu bedeuten haben, also frag nicht blöd. Nicht wissen heißt, mir und meiner Arbeit nicht genug Respekt entgegen bringen.“

    Ich weiß nicht ob die obere Liste vollständig ist. Ich weiß nicht wie vielen Menschen bzw. wie stark pauschalisierend meine Aussagen hier sind. Was ich aber an dieser Stelle sagen will ist:

    • dass es ein gutes Gefühl ist, wenn ich sehe, dass mich Menschen verstehen.
    • dass es ein gutes Gefühl ist, jemanden etwas weiter zu geben.
    • dass es ein gutes Gefühl ist, auf demselben Niveau freundschaftlich und tolerant mit den Menschen umzugehen und nicht auf die alles blockierende EhrFURCHT von diesen angewiesen zu sein.

    17.05.2009

    Der zweite Teeaufguss ist für die Gäste gedacht

    Neulich hatte ich eine interessante Diskussion zum Thema Visualisierungen. Ich wurde mit dem typischen Zweifel der Menschen konfrontiert, dass diese nicht zeichnen können.
    Das erste was ich auf diese Behauptung erwidern konnte ist, dass bei der Visualisi
    erung nicht das primäre Ziel darin bestehen muss, eine neuartige bildhafte Sprache zwischen den Menschen zu finden, da jede Sprache erlernt werden muss. Wenn ich Spanisch lernen will, muss ich auch wissen, dass das Wort „HOLA“ hallo heisst. Genauso muss man auch bei der Visualisierung lernen, dass ein bestimmtes Symbol etwas aussagt. In unserer Gesellschaft wird leider stark unterschieden zwischen Menschen die zeichnen können, also die visuelle Sprache sprechen und Menschen die nicht genug üben konnten, diese visuelle Sprache zu erlernen.
    An dieser Stelle muss ich aus persönlichen Gründen jedoch stark kontern, da ich selbst nicht die Möglichkeiten hatte die allgemein visuell verständliche Sprache zu erlernen. Weiter kann eine Visualisierung so gut sie auch grafisch umgesetzt ist, nicht verstanden werden, wenn nicht das nötige Wissen beim Betrachter vorhanden ist, diese Symbole bzw. dieses Bild zu entziffern. Genau an dieser Stelle hat sich seit Jahrhunderten eine Schlucht bzw. Trennlinie gebildet zwischen denen die die Kunst verstehen bzw. sie entziffern können und denen die es nicht tun. (siehe Bild vom Künslter Paul Klee) Da dies den Rahmen dieses Blogeintrages jedoch sprengen würde, werde ich zu meinen persönlichen Definition bzw. Motivation für Visualisierungen zurückkehren. 

    Meiner Meinung nach geht es bei Visualisierungen in erster Linie darum, sich mit dem Thema näher auseinander zu setzen. Dies muss auf so einem tiefen Level erfolgen, dass eine Abstraktion des Themas möglich ist. Ein erstes Bild über das Thema der Auseinandersetzung muss für niemand anderen verständlich sein als für sich selbst, wird Skizze genannt. Dieser Entwurf ist auch nicht dafür gedacht es anderen Menschen zu zeigen. Man bietet in der Japanischen Teezeremonie auch nie den ersten Aufguss dem Gast an, sondern erst den zweiten. Man schick eine Mail auch nicht ab ohne sie nochmals durchzulesen bzw. zu überarbeiten. Genauso ist es bei Bildern. Eine Skizze wird die Person, welche Sie angefertigt hat immer verstehen, egal wie abstrakt diese ist. Meine kleine Nichte kann mit ihren drei Jahren in ihrer Zeichnung das einförmige Objekt, jedes Mal als Elefant identifizieren, egal wie oft bzw. wann ich Sie danach fragen. Was ich mit diesen Beispiel aussagen will, dass die erste visuelle Auseinandersetzung mit dem Thema keinen Anspruch auf Verständlichkeit durch andere Personen aufweisen muss bzw. kann. Bei der ersten Visualisierung bzw. bei der Skizze geht es darum, die Information besser zu verarbeiten, abzulegen, sie schnell wieder zu finden und entschlüsseln zu können. Bilder werden in Sekundenschnelle erfasst wobei Texte eine nähere Auseinandersetzung benötigen.

    Aus meiner Erfahrung in der Wirtschaftswelt kann ich heute behaupten, dass das Scheitern von vielen Visualisierungen daran liegt, dass sich viele Manager vor ein Publikum stellen und ihre Gedanken auf ein Flipchart visualisieren, wo dies doch nur ihre eigene Skizze ist und eigentlich erst in der zweiten Fassung einem Publikum gezeigt werden sollte.


    Aus diesem Grund ist für die zweite Ausarbeitung der Visualisierung ist weiter unbedingt nötig zu überlegen, welchen Wissenstand bzw. welche Werkzeuge das Publikum haben kann oder benötigt um das Bild entziffern zu können. Ist eine Legende nötig, oder vielleicht ein Bildwörterbuch? Bilder sind mit Emotionen belegt, Emotionen sind mit Lernprozessen (Erfahrungen) aus dem Gedächtnis belegt. Lernprozesse bzw. Erfahrungen werden durch Erlebnisse gespeist. Wieso ist das an dieser Stelle anführe? Wenn ich einen Menschen nach dem Symbol für „Wiederholung“ frage, so wird mir eine Person als Antwort das Symbol einer Compact Cassette (Audiokassette) angeben, wo eine andere eine alte Dame mit einer dicken Brille und einem Gehstock darstellen wird, da dies mit ihrem Opa assoziiert ist, welche sich ständig wiederholt hat. Obwohl der alte Herr eine perfekte Eselsbrücke darstellt, ist dies ohne Erklärung unmöglich für den Betrachter zu interpretieren.